Siegerland-Sport

Feb20

Andrzej Rudy. Nach dem Spiel lobte er seine Mannschaft ausdrücklich.

Grund, Möglichkeit und Raum zur Polemik wäre nach dem 1:1 der Sportfreunde Siegen gegen den VfB Hüls vielleicht genug. Ob zwei Unentschieden gegen Clubs wie Hüls oder Bergisch-Gladbach denn nun wirklich das sind, was sich der Verein unter “noch mal angreifen” vorstellen. Oder ob es denn für solche Leistungen wirklich eine Woche Trainingslager in der Türkei sein muss oder ob da nicht ein Wochenende in der Lüneburger Heide für reicht. Aber wie gesagt – das sind Fragen, die dem Verein nicht weiterhelfen – auch nicht nach einem 1:1 gegen Hüls.

Die Fragen sind aber da. Und sie werden auch gestellt. Und zwar von den Fans. Ein mageres Unentschieden bei minus zwei Grad im kalten Leimbachwind trägt nun mal nicht zu besonders angenehmer Stimmung unter den Anhängern bei. Nach der Partie gegen die Mannschaft von Olaf Thon hagelte es im Online-Forum der Sportfreunde Siegen dann auch jede Menge Kritik. Hier ein paar Zitate von Usern:

“Ein einziger innerer Wutausbruch heute! Meine Güte, ich will ja noch nicht mal aufsteigen, aber zumindest mal Spiele gewinnen und GUT SPIELEN. Das ist doch nicht zu viel verlangt. Unsere Gegner können nichts, die treffen noch nicht mal das leere Tor, und trotzdem sind wir zu unfähig Tore zu machen.”

“Eigentlich ist hier jedes Wort mehr zu schade! Lohnt sich eigentlich gar nicht, sich noch`n Kopp über diese Sportfreunde zu machen…”

“Ich habe auch kein Bock mehr auf leere Worte. Sollen die doch einfach mal für sich selbst spielen, wenn sie schon keine Lust haben für die Zuschauer was zu tun. Nur hoffe ich, dass sie sich dann mehr reinhängen. Kann man sich teilweise echt nicht mehr antun… meine Güte.”

Die Sportfreunde-Seele, sie brodelt zu Beginn der kalten Rückrunde 2010/2011. Dabei war es im Leimbachstadion gegen den VfB Hüls kein wirklich unterirdisches Spiel, das die Sportfreunde boten. Zumindest in der ersten Halbzeit konnte man dem Team von Andrzej Rudy nicht vorwerfen, dass sie nichts für die Partie täten. Siegen hatte mehr vom Spiel, erzeugte meist über die rechte Seite und über Marius Sowislo Druck, kam auch zu Torchancen. Als Neuzugang Sowislo in seinem ersten Spiel im Leimbachstadion in der 54. Minute traf, schien alles in Ordnung. Warum sich die Sportfreunde danach mehr und mehr zurückzogen, den bis dahin harmlosen Gästen das Mittelfeld überließen und es im Bereich des eigenen Strafraums immer öfter brannte – darauf wird man wohl keine Antwort bekommen. Pero Miletic sorgte mit einigen Aktionen für den Eindruck, das er heute nicht ganz auf der Höhe war – dazu zählte auch das 1:1-Ausgleichstor. Ob nun durch Karagülmez per direkter Hereingabe oder durch Hellwig per Kopfverlängerung – bei solchen Dingern haben schon andere Torhüter schlecht ausgesehen. Es passte nun aber leider ins Bild, dass Miletic das heute ebenfalls tat.

Olaf Thon nach der Partie im Interview. Der Hülser Trainer war zufrieden mit dem Punkt.

Die Antworten, die Trainer Andrzej Rudy auf der Pressekonferenz und in den Interviews nach Spielende gab, haben mich überrascht. Seit Rudy hier in Siegen ist, weiß man, dass der Mann Optimist ist, immer das Positive sieht, viel lobt und sich vor die Mannschaft stellt. Dass er aber nach dem Hüls-Spiel von der besten Saisonleistung in der ersten Halbzeit sprach, dürfte zumindest den einen oder anderen überraschen. Ein “Top-Spiel” habe er gesehen, seinen Jungs sei “vor allem kämpferisch kein Vorwurf zu machen”. Einige Fans haben das anders gesehen, wie man spätestens nach dem Blick ins Onlineforum merkt. Und selbst, wenn das nicht so sein sollte, reicht ein 1:1 gegen Hüls den meisten nun mal einfach nicht. Oder wie die Siegener Zeitung online schreibt:

“So trat denn der nüchterne Betrachter des Geschehens ein wenig ratlos den Heimweg an, denn außer Kampf und viel Einsatz hatte sein Fußballherz gestern nicht viel zu lachen gehabt.”

Wie die gefühlte Temperatur beim Heimspiel deutlich unter den tatsächlichen minus zwei Grad lag (es war schweinekalt…), so ist die Leistung der Siegener – Stand Februar 2011 – gefühlt zu wenig. Und da bleiben auch die Anhänger nicht lange fern, die aufgrund des Etats der Sportfreunde, des professionellen Umfelds und der Bedingungen mehr fordern. Deutlich mehr. Diesen Punkt hatte vor der Partie auch Hüls-Coach Olaf Thon als Schwachpunkt der gegnerischen Verfassung und Psyche ausgemacht. In einem Vorbericht hatte der Weltmeister von 1990 gestichelt: “Vom Etat her müssten die eigentlich ganz oben stehen.”

Nun, die Sportfreunde tun das derzeit nicht und werden das in dieser Spielzeit der NRW-Liga wohl auch nicht mehr tun. Vielleicht muss man überall im Verein und bei den Anhängern zu der Ansicht gelangen, dass es in dieser Liga und mit diesem Kader derzeit nicht für mehr reicht. So bitter es ist – aber einen anderen Schluss lassen der Saisonverlauf und die gezeigten Leistungen nicht zu. Immerhin: Mit Marius Sowislo hat man einen Stürmer über den Sommer hinaus verpflichtet, der zu der kleinen Gruppe im Siegener Kader zählt, mit dem man beruhigt in die schwierige Qualifikationssaison gehen kann. Hier ein kleiner Clip aus einem Interview mit ihm nach dem Spiel:

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2 Kommentare

  • Kommentar by Mr.Webster — 20. Februar 2011 @ 21:59

    Als der Trainer von der besten 1. Halbzeit sprach, brach im Zelt schallendes Gelächter aus. Sicher war das jetzt nicht grottenschlecht – aber von gut auch noch meilenweit entfernt.

  • Kommentar by Husar — 21. Februar 2011 @ 05:38

    ich finde man kann sich vor eine mannschaft stellen als trainer. das ist durchaus legitim. aber sowas…. ist doch kein beinbruch, wenn man zugibt, dass das zu wenig war. wenn er vorher schon vollen einsatz und 100% leistung fordert, darf er hinterher auch daran festhalten. aber gut. in siegen muss man sich an sowas gewöhnen, glaube ich.

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