Was Gaelic Football mit dem Körper macht, kann man nur schwer beschreiben. Ich möchte einen gelungenen, sehr eindrucksvollen Spiegel-Online-Artikel über diese irischste aller Sportarten zum Anlass nehmen, um meine eigenen Erfahrungen mit Gaelic Football zu beschreiben. Ich bin seit 1999 mehr als ein Dutzend Mal in Irland gewesen – manchmal für drei Wochen, manchmal für zwei Monate. Manchmal alleine, manchmal mit Freunden, einmal mit meiner Ex-Freundin. Ich habe sehr, sehr viel von der grünen Insel gesehen und die Menschen dort sehr gut kennengelernt. In dem Dorf, in das ich regelmäßig fahre, bin ich quasi in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Ich wurde zu Hochzeiten eingeladen, zu Beerdigungen gebeten, man hat versucht, mir eine Kuh zu schenken und ein Stück Land zu verkaufen. Und mehr als einmal habe ich mit den Menschen dort bis spät in der Nacht, weit über die Sperrstunde hinaus, im Pub bei dem schwarzen Guinness gesessen.
Aber nie, niemals, habe ich die Menschen in Irland eindrucksvoller erlebt als beim Gaelic Football. Nie habe ich sie leidenschaftlicher, engagierter, bewegter, enttäuschter, enthusiastischer oder betrübter erlebt, als am Rand des kleinen Stück Rasens etwas außerhalb des Dorfes.
Im Gaelic Football findet sich alles wieder, was Irland ausmacht. Die Ehrlichkeit, die Verzweiflung, die Bitterkeit mancher Menschen, die Härte der Inselbewohner, die Freundlichkeit, die raue Schroffheit, die Emotionen, der ewige Kampf einer ausgebeuteten Nation. In dem Artikel auf SpOn schreibt Peter Linden:
“Gaelic Football, das ist eine Art Rugby, nur rauer, irischer. Fast nie zerstört der Schiedsrichter den Spielfluss. Fast nie wälzt sich ein Spieler am Boden. Eher versucht er, auch noch mit gebrochenen Knochen oder gerissenen Sehnen weiterzulaufen und den Punkt oder das Tor zu machen. Erst dann gibt er auf.”
Ich kann den Artikel nur empfehlen, er trifft in vielem genau den Punkt. Wer nach Irland geht, sollte einmal ein Spiel in dieser Sportart angesehen haben. Am besten fährt man im September, wenn in Cork, im legendären Croke Park, die Finals stattfinden. Man wird dann außerhalb des Stadions oder der Pubs mit ihren großen Fernsehern kaum einen Iren auf der Straße antreffen. Und man bekommt einen Heidenrespekt für die Krieger dort unten auf dem Rasen, die sich meistens ohne jegliche Polsterung, meistens nur mit einem Mundschutz, in Zweikämpfe stürzen, bei denen die härtesten American Footballspieler in voller Montur feuchte Augen bekommen würden. Gaelic Football. A battle. Eine Schlacht. Nur schlimmer.



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