
Schon im Hinspiel wurde mit harten Bandagen gespielt - hier Christian Stelzenbach.
Man darf auch mal vom Gegner schwärmen. Gerade, wenn man gegen so eine individuell starke Mannschaft wie GWD Minden II antritt. Der Respekt vor den teilweise bundesligaerfahrenen Spielern der Grün-Weißen ist beim TuS Ferndorf vor dem Top-Spiel in der Dritten Liga durchaus gegeben. Akteure wie Christof Steinert, Sören Südmeier oder Gerrit Bartsch sind eben nicht nur Hausnummern in der eigenen Spielklasse – auch in der zweiten Liga haben sie sich bereits bewiesen. Dass vor dem Duell in der Stählerwiese (Samstag hier bei der Siegener Zeitung Online im Liveticker und live zu hören bei Radio Siegen) auch wieder Diskussionen um eventuelle “Wettbewerbsverzerrung” oder Benachteiligung aufkommen, war von vorneherein klar.
Aber da schiebt der Ferndorfer Trainer Caslav Dincic sofort einen Riegel vor:
“Das sind die Regeln beim DHB und wir würden dies ebenso machen, wenn wir an Mindens Stelle sind. Das ist eine gute Mannschaft, sie haben starke Leute, aber auch die müssen erst mal 60 Minuten gegen uns spielen. Danach können wir über den Sieger sprechen”,
beendet der Serbe direkt alle Spekulationen um Beschwerden oder Ähnliches. Wozu auch? Sicher ist es etwas unglücklich für den TuS, dass gerade an diesem Wochenende die 2. Bundesliga Pause hat und dadurch die Jungprofis mit ins Siegerland reisen können. Aber damit muss man nun einmal leben, da hilft kein Jammern. Im Gegenteil: So etwas kann bei einem Team wie dem TuS Ferndorf auch schnell mal eine Trotzreaktion hervorrufen und einen Zusammenhalt, der vielleicht genau das richtige Rezept gegen die von Ex-Nationalspieler Aaron Ziercke betreuten Mindener sein könnte.

In Nordhemmern bekam Dennis Aust einen Schlag aufs Knie, gegen Minden soll er aber wieder spielen.
Motivationsprobleme dürften die Ferndorfer aber ohnehin nicht haben, immerhin geht es um nicht weniger als die Verteidigung der hart erkämpften Tabellenführung. Diese Konstellation dürfte am Samstagabend freilich aus den Köpfen der Spieler nicht ganz wegzuhämmern sein – muss aber ausgeblendet werden. Denn dann zählt nur der Moment, nur das Spiel, nur der Gegner und der eigene Wurf.
Aus neutraler Sicht (wenn es das am Samstagabend in der Stählerwiese denn geben sollte) wird es wohl vor allem ein schöner Handballabend werden. Wenn zwei solche Top-Teams aufeinandertreffen ist das fast schon garantiert. Und da darf man sich ruhig auch mal am Gegner freuen, wie anfangs geschrieben. Was z.B. ein Sören Südmeier bei GWD Minden nämlich spielt, ist schon ganz großes Tennis. Sein Wackler (Körpertäuschung im Zweikampf) ist Ligaspitze, dazu kommt ein extrem talentierter Christof Steinert im Rückraum (Dincic: “Den sehe ich in absehbarer Zeit als Nationalspieler”), auch Torhüter Konstantin Madert ist ein erstklassiger Mann, und die 120 Tore von Linksaußen Gerrit Bartsch bedürfen auch keiner weiteren Erklärung.