Siegerland-Sport

Jun23

Darf man gehässig sein? Ist es gehässig, wenn man sich über das WM-Aus der Franzosen freut? Von mir aus. Bin ich gehässig. Was habe ich gelacht über diese L‘Equipe Tricolore 2010. Angetreten als Starensemble, alles ohne Frage ausgezeichnete Techniker und Fußballer – aber alles andere als eine Mannschaft. La Katastrophe! Der gallische Hahn krähte Blödsinn zusammen in Südafrika. Mehr noch: Das ganze hat sich in Frankreich zu einer ausgewachsenen Staatskrise entwickelt, wenn man den Medien und auch Nicolas Sarkozy glaubt.

Rooster
Hat viel Mist gemacht in Südafrika: Der gallische Hahn.Creative Commons License Foto von: dinesh_valke

Aber was machen die auch? Anelka verwechselt die Kabine mit seinem Privatumfeld und kackt den Trainer in einer Gossensprache an, dass es eine wahre Pracht ist. Kapitän Evra nimmt Anelka in Schutz, sucht den Verräter. Der Teammanager tritt zurück, weil die Mannschaft das Training bestreikt. Evra und sein Konditionstrainer geraten sich in die Haare wie Schulmädchen.
Und Trainer Domenech?

Der Mann hat scheinbar sein Rückrat bei der Einreise nach Südafrika im Flieger an die Garderobe gehängt. Welcher Vollpfosten von Trainer würde denn den Streik seines Teams akzeptieren und sich sogar noch dazu zwingen lassen, eine Stellungnahme der Streikenden zu verlesen? Franz Beckenbauer meinte dazu bei Sky:

„Wenn das meine Mannschaft wäre und ich würde sagen, ihr trainiert, dann würden die trainieren. Und wenn sie sagen, dann fahren wir nach Hause, dann fahren wir eben alle zusammen nach Hause.”

Im Spiel gegen Südafrika hat Domenech dann sechs Mann aus der Startelf rasiert – gebracht hat es rien. 1:2 gegen die Gastgeber verloren, Adé les Bleus. Und auch das letzte Spiel des Weltmeisters von 1998 war furchtbar. Oder wie ein Kollege so treffend simste:

„Köstlich, wie sich die Franzosen da die Frösche vom Brot nehmen lassen.”

Gegipfelt ist das ganze french desaster dann in einer – das schreibt sogar der Kicker – „miesen Geste“ von Raymond Domenech. Der entmachtete, erfolglose, charakterlose Trainer verweigerte seinem Gegenüber Parreira nach der Partie den Handschlag. Ich wäre fast in den Fernseher gesprungen. Ich glaube, sogar Heiko Herrlich hat Olli Kahn die Hand gegeben, nachdem der ihn fast per Kung-Fu-Einlage auf den Rasen geschickt und ein Stück Fleisch aus dem Hals gebissen hatte. Das ist fairer, handelsüblicher Usus im Fußball – auf dem Feld ist Kampf und Einsatz angesagt, manchmal auch große Rivalität, aber nach der Partie gibt man sich “schehkhends”.

Noch besser als die eigentliche Geste jedoch die Begründung: Domenech soll den Handschlag verweigert haben, weil Parreira im Vorfeld der WM gesagt hat, die Franzosen hätten wegen Thierry Henrys Handspiel in der Quali gegen Irland nichts bei der Weltmeisterschaft verloren. Da darf sich dann nun jeder selbst ein Urteil bilden… Oder haben wir mit Frankreichs Ausscheiden bei der WM einen Verlust erlitten?




3 Kommentare

  • Kommentar by Daniel — 23. Juni 2010 @ 11:59

    Wunderbar geschrieben. Spricht mir aus der Seele. Da mag ich lieber aufopferungsvoll kämpfende Koreaner in der KO-Runde sehen.

  • Kommentar by Machina — 23. Juni 2010 @ 23:33

    Wirklich geiler text mehr davon!

  • Kommentar by dschaefer — 26. Juni 2010 @ 01:29

    Kommt….

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