Ich glaub‘, es geht schon wieder los… Man dürfte sich nicht wundern, wenn dieser alte Schlüpferstürmer von Roland Kaiser dem einen oder anderen Fan der Sportfreunde Siegen dieser Tage durch den Kopf geht. Marius Jung – tschüss nach Kaan-Marienborn. Timo Dreisbach – der TuS Erndtebrück freut sich. Twittert die Siegener Zeitung.

Zieht sich in der kommenden Saison blaue Stutzen hoch: Marius Jung (hier noch mit den roten Socken der Sportfreunde)
Die Liste der jungen Spieler, die der NRW-Ligist in den letzten Jahren aus dem Perspektivkader der Ersten oder dem Kader der zweiten Mannschaft an die Konkurrenz-Vereine in der direkten Umgebung verloren hat, ist lang. Die Hälfte des Spielermaterials vom TuS Erndtebrück oder des 1.FC Kaan-Marienborn hat zu irgendeinem Zeitpunkt mal die Stiefel im Leimbachtal geschnürt (Waldrich, Wadolowski, Bellinghausen, Bäcker, Koch, Schlemper, Ruiz, Blecker, Ecker und und und). Die Sportfreunde sind, was das angeht, in einer Position, um die sie wohl kein Verein beneidet. Jahr um Jahr geht es für die (noch) ranghöchste Siegerländer und Wittgensteiner Mannschaft darum, entweder den jungen Talenten einen Platz im Kader der ersten Mannschaft oder aber einen guten Grund zu bieten, in der Reserve zu spielen.
Hat nicht wirklich gut geklappt, muss man in Nachbetrachtung der vergangenen Saisons sagen. Indiskutable Vertragsangebote machten in der weiten Gerüchteküche die Runde, dazu die – zumindest in der letzten Spielzeit – klare Konzentration auf die NRW-Liga. Der Trainer der Siegener Zweiten, Theo Brenner, war die ärmste Sau im ganzen Verein, der sympathische Sportsmann konnte einem leid tun. Woche für Woche versammelte Brenner die letzten Getreuen um sich, hatte oft nur unzureichende Kaderstärke, weil entweder Spieler verletzt, verkauft oder zur Ersten abgestellt waren. Das ging so weit, dass am Ende teilweise fünf A-Jugendspieler eingesetzt wurden und Torwart Marco Thielmann als Feldspieler ran musste.
„Eine Fluktuation wie im Bienennest. Mit so einer Mannschaft ist das Unternehmen Klassenerhalt nicht zu schaffen“
so Brenner in einem Interview auf expressi.de. Die Konsequenz: Abstieg der zweiten Mannschaft, in der Spielzeit 2010/2011 heißt es Landesliga gegen Rot-Weiß Hünsborn und Germania Salchendorf. Kein Wunder, dass da manches junge Talent nicht mitmacht und lieber Westfalenliga in Wittgenstein spielen will. Gerade, da die sich sogar insgeheim noch Hoffnungen auf die NRW-Liga machen. Also wird es auch in diesem Sommer wieder extrem schwer für den neuen Trainer der Zweiten, Daniel Cartus, einen schlagkräftigen Kader zu stellen. Mit Timo Dreisbach wechselt wohl jetzt ein Spieler zum TuS Erndtebrück, der eigentlich fest für die Zweite eingeplant war und auf den viele Fans sogar Hoffnungen in Sachen NRW-Liga gesetzt hatten.
Die Siegener sollten gut aufpassen, dass man sich nicht irgendwann fragt, warum man eigentlich den Spieler, der einem da gerade in einem Ligaderby vier Buden reingehängt hat, mal hat ziehen lassen. Mittlerweile klopfen mit Kaan und Erndtebrück nämlich bereits zwei Mannschaften von unten an die lokale Vorherrschaft der Sportfreunde.



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