
Mein gefühlter Kanzler. Foto von: Medienmagazin pro
Mein Bundeskanzler ist Helmut Kohl, Twix heißt doch eigentlich Raider und Reinhold Beckmann moderiert „ran“. Das nennt man wohl eine generationsbedingte Prägung. Damit meine ich nicht die reuelose Glorifizierung von Dingen wie „Kugel Eis für 50 Pfennig“ oder dem Original-VW-Käfer. Sondern die Um- und Zustände in Gesellschaft, Politik, Sport oder Kultur zum prägungsfreundlichsten Zeitpunkt des Menschen – also so zwischen 5 und 20 Jahren etwa. Natürlich ist der Dicke seit 1998 nicht mehr im Amt, Raider gibt es schon lange nicht mehr und Sabbelnase Reinhold Beckmann biedert sich mittlerweile nicht mehr bei Franco Foda oder Valdas Ivanauskas an, sondern in seiner Talkshow bei jedem, der nicht bei Drei auf dem Baum ist.
Eine zyklusbrechende Person im Sport ist Merlene Ottey, wie ich nun wieder festgestellt habe. Merlene Ottey war in den 90er Jahren die gut aussehende Jamaikanerin, die mit ihren langen Beinen, dem ernsten, entschlossenen Gesichtsausdruck und den wunderschönen dunklen Augen zuverlässig Bronze oder Silber holte. Gefühlt hat die Dame nie etwas gewonnen, sie wurde regelmäßig von jüngeren (und damit schnelleren) Sprinterinnen abgefrühstückt. Jetzt stelle ich fest: Merlene Ottey ist der Holzmichel der Leichtathletik.
Sie hat sich nicht von ihrer Bronzemedaillensammlung abschrecken lassen, nicht von der Tatsache, dass Jamaika sie nicht mehr will und erst recht nicht vom Alter. Weiterlesen